Reportage: ligne roset und die Corona Krise

Ligne Roset, Unabhängigkeit um jeden Preis.

Das in Frankreich ansässige Designmöbelunternehmen leidet nicht unter der Pandemie, ganz im Gegenteil. Der Familiengeist ist immer noch widerstandsfähig.
Eine solche Aktivität hatten ihre Werke seit Jahren nicht mehr erlebt. Auf der ganzen Welt werden neue Sofas, Tische und Stühle, angeschafft. Die Geschäftsführer von Ligne Roset und Cinna waren die ersten, die
von dieser Auswirkung des Lockdowns überrascht waren. Wie die gesamte Branche der Polster- und Kastenmöbelherstellung, die seit der Krise von 2008 schwierige Zeiten hinter sich hatte, fürchtete auch
dieses Familienunternehmen die Folgen der achtwöchigen Schließung im Frühjahr 2020. Stattdessen rechnet der einzige französische Verleger-Hersteller-Händler mit einem Umsatzzuwachs von 40% innerhalb eines
Jahres.
Michel Roset (71), am Sitz des Unternehmens in Briord im Rhonetal im Departement Ain, kann es nicht fassen. Mit seinem Bruder Pierre (73) teilen sie sich als Vertreter der vierten Generation die Leitung des
Unternehmens mit der fünften Generation, zwei ihrer Kinder, die Cousins Antoine und Olivier (beide 40).”Selten hatten wir einen solchen vollen Auftragsbestand für die nächsten 18 Monate”, stellt Michel Roset
fest. So voll, dass es uns unsere Abläufe durcheinanderbringt. Niemand kann mit einer so exponentiellen Entwicklung umgehen. Die Produktionszeiten sind von zwei Monaten auf über vier, fünf Monate gestiegen.”
Unsere fünf französischen Werke, die 85% der von den beiden Marken verkauften Produkte liefern, haben
kaum Lagerbestände. Sie produzieren auf Kommission. Die Bestellungen werden in der Reihenfolge des
Eingangs bearbeitet. Die Vielfalt der von den Kunden ausgewählten Farben, Stoffe und Oberflächen ist groß.
Die Beschaffungskette für Werkstoffe, wie beispielsweise die Schaumstoffe für Polstermöbel, ist angesichts des allgemeinen Anstiegs der Nachfrage angespannt.

Die Marke hat seinerzeit die Wohnsitze des früheren Präsidenten
François Mitterrand eingerichtet.

Nach Jahren, in denen die Zahl der Beschäftigten gesunken ist, will Ligne Roset mit seinen 800 Mitarbeitern, 700 davon in Frankreich, etwa 30 neue Mitarbeiter einstellen. Einige Handgriffe und Fertigkeiten wie das Polstern und das Nähen werden heute so selten nachgefragt, dass Ligne Roset mit der Arbeitsagentur
eine eigene Ausbildung aufgestellt hat. “Unternehmen, die ihre Holzplatten selbst furnieren, gibt es kaum noch”, bemerkt Pierre Roset.
Der Grund, warum das Unternehmen das Massensterben überlebt hat, das die Branche getroffen hat, ist zum Teil auf seine ikonischen Produkte zurückzuführen, die in Frankreich hergestellt werden und seit Jahren
zu den Bestsellern gehören. Angefangen mit TOGO, zu dessen Entwurf der Designer, Michel Ducaroy, wie er selbst betonte, von einer gefalteten Zahnpastatube inspiriert wurde. TOGO wurde zu einem Symbol der 70er
Jahre und seither sind mehr als 1,5 Millionen Exemplare verkauft worden. Einige Kunden, wie Lenny Kravitz, sammeln sie. Ligne Roset wird ein Nachhaltigkeitsangebot starten: Alte TOGOs werden bei Kunden gegen
einen Gutschein abgeholt, neu bezogen und zum halben Preis wieder verkauft oder recycelt. Die Marke, die einen Großteil der Kreationen von Pierre Paulin anbietet, hat seinerzeit die Residenzen von François Mitterrand in der Rue de Bièvre in Paris und in Latche in den Landes eingerichtet. Die Marke arbeitet schon lange mit Designern – auch jungen Designern – zusammen und wurde auch sehr erfolgreich mit dem PLOUM, einem Sofa der Brüder Bouroullec. “Einmal alle zehn Jahre stehen die Planeten in einer Reihe und man ist einen Schritt voraus”, stellt Michel Roset fest.

Der Hersteller hat es auch geschafft, weil er unabhängig blieb, eine Lektion von Jean, ihrem Vater und Großvater, der am Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt war, indem er Gemeinden und auch Universitäten, Krankenhäuser oder Altenheime einrichtete. Er behielt sein Vertriebsnetz. Ligne Roset ist nicht von einem einzigen Markt abhängig, sondern erzielt 70% seines Umsatzes von 110 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr im Ausland, insbesondere in den USA, Deutschland und Asien, wo die Marke von der
Begeisterung für das Made in France profitiert. Was auch zählt: Die Familie Roset hat die Kontrolle über die Firmenanteile behalten, während viele italienische Designunternehmen von US-Geldern aufgekauft wurden.
Die beiden Brüder hatten Anfang der 2000er Jahren einen kleinen Moment überlegt, als ihnen gute Angebote unterbreitet wurden. Trotz der Jahre der Krise bereut Michel Roset nichts: “Ein Finanzfonds im Unternehmen würde nur an das Geld und nur kurzfristig denken.” Schließlich kann die Leidenschaft sich
auszahlen.

Tecta Messestand IMM 2020

TECTA
Möbelmesse imm 2020

Der neue Messestand, eine transluzente Konstruktion aus stoffbespannten Holzrahmen, wurde dieses Jahr von einer Tischlerei aus Lauenförde gefertigt und nach dem Abbau vollständig bis zum nächsten Einsatz eingelagert.

Der Stand bot somit den nachhaltigen und passenden Rahmen für die Klassiker sowie die Premiere der Neuheiten: Der bereits zu Messebeginn mit dem Stylepark Selected Award ausgezeichnete Kragstuhl D9 von Wolfgang Hartauer und die konstruktiven, organischen Beistelltische K5 von Thomas Schnur.